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Die Ecke des Präsidenten

Wer kennt Popeye nicht? Die ältere Generation kennt die Spinat essende Comicfigur, die angeblich den Spinatkonsum in den USA um 1⁄3 gesteigert haben soll, seit 1929

Der hohe Eisengehalt des Spinats hat der Figur jeweils zu übernatürlichen Kräften verholfen. Dabei ist der hohe Eisengehalt im Spinat durch einen simplen Kommafeh-
ler in einem Labor ent- standen. Deshalb wurde Spinat jahrelang von gesundheits-
bewussten Müttern ihren widerspenstigen Kindern eingelöffelt.

Diese Geschichte kam mir in den Sinn, als mir jemand beibringen wollte, unsere Kirche hätte einen engen Blick. Ich habe immer das Gefühl, die Reformierte Kirche sehe ihre Daseinsberechtigung eher durch ein Weitwinkelobjektiv. 500 Jahre „Reformationsentwicklung“ haben uns offener gemacht und auch Schattenseiten aufgezeigt. Natürlich, auch bei den Reformierten trifft man auf verschiedene Mei-
nungen, neigt aber eher zu Toleranz.

Wie soll man sich da verhalten, wenn man einem Fachmann gegenübertritt? Fach-leute von einem Irrtum zu überzeugen ist schwer, denn gelernt ist auch da gelernt. Jahrelang werden Fehler weitergereicht. Heute kann man sich Wissen zwar einfach beschaffen, aber gerade aus der zeitnahen Vergangenheit bleibt immer eine Unge-wissheit. Aus dem Internet erhält man einen Strauss von kontroversen Meinungen. Hier hilft nur eine Herleitung nach eigenem Muster. Gegenüber früheren Zeiten ist es heute viel einfacher, einen solchen Prozess zu initiieren und für sich abzu-schliessen.

Die ältere Generation, zu welcher ich mich auch zähle, hat Mühe, mit neuen Er-kenntnissen umzugehen. Das Gelernte stellt eine solide Basis dar – aber vieles ist nicht mehr gültig. Ein bücherverschlingender Mensch ist den Tausenden von Ein-drücken aus dem Internet immer unterlegen. Eigentlich schade – aber ein Zeichen unserer schnelllebigen Zeit. Gleichzeitig wird einem bewusst, wie schnell ehemals Gelerntes durch neue Erkenntnisse abgelöst wird.

Popeye ist in Vergessenheit geraten. Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass ich Liebe und Empathie gegenüber Andersdenkenden aufbringen kann, aber dasselbe auch mir widerfährt. Vielleicht wünschen Sie sich das im Innersten auch. Oder wol-len wir weiter mit „Fake News“ leben? Die zehn Gebote müssten wir wieder einmal durchlesen. Wie sähe wohl heute die Welt aus, wenn sie ein gehalten würden, denn Gültigkeit haben sie noch heute. Warum wird eigentlich darüber so wenig gepredigt?

Eine gesegnete Weihnachtszeit wünscht Ihnen

                                                                                                         Kurt Bichsel

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